ANGESCHIMMELT YOUTH CREW FESTIVAL 2014

AYC Festival 2014 by Nicolai Hildebrandt.

29.03.2014
Oetinger Villa, Darmstadt
Einlass: 14 Uhr
Beginn: 15 Uhr (Vortrag) / 17 Uhr (Bands)

AUSVERKAUFT // SOLD OUT
Das Festival ist ausverkauft. Es wird keine Abendkasse geben.
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The fest is sold out. There won‘t be any tickets available at the door.

LA QUIETE| Sons Of Vesta

Neben ihren Freuden von RAEIN zählen LA QUIETE zu den Band prägenden Bands des europäischen Screamo. 2000 gründete sich die italienische Band, tourte weltweit. In letzter Zeit sind die Pioniere ihres Genres nur noch selten auf Bühnen zu sehen gewesen. Vorfreude ist also gar kein Ausdruck!

OATHBREAKER| Deathwish

„Maelstrom“ ihr Debut war bereits eine Wucht. Der Nachfolger „Eros/Anteros“ löst sich von den Starren Hardcore/Metal Strukturen und zeigt eine Band, die es versteht intensive und dynamische Stücke zu schreiben.

PLANKS | Golden Antenna

Ihr aktuelles Album „Funeral Mouth“ war Southern Lord Chef Greg Anderson zu poppig. Nun, auch Musikgeschmack ist relativ. Atmosphärischer Doom mit HC/Crust Wurzeln, der sich irgendwo zwischen ISIS, BREACH und BARONESS einfindet.

HOLY | Adagio830

Aggressiver und wütender Hardcore, mit dem besten der 80er, 90er und einem Schuss Powerviolence. Schnelle Songs, geiel Moshparts und vier süßte Typen aus Italien, die unermüdlich touren. Klingt wie: PUNCH, HIS HERO IS GONE.

THE TIDAL SLEEP | This Charming Man

2012 spielten sie eine ihrer ersten Shows auf dem AYC Festival. Zwei Jahre und fast 100 Shows später, beglücken sie uns wieder. Ergreifender und emotionsgeladener Post-Hardcore mit Parallelen zu THE SADDEST LANDSCAPE, ENVY und TOUCHÉ AMORÉ.

THROWERS | Vendetta

Putting Leipzig back on the map! Brachialer Hardcore aus dem Osten, der mit chaotischer Kante an TRAP THEM erinnert und neben TRAINWRECK und ALPINIST zu dem besten gehört, das Germony jemals ausgespuckt hat.

BARREN| DIY

Nach dem Ende von ZANN formierte sich um einige Ex-Mitglieder der ehemaligen HC-Truppe die neue Band BARREN. Musikalisch knüpfen BARREN an den 90er Emo-Violence von Bands wie LOXIRAN an. Straight Edge, Vegan, das volle Programm.

MEVRSAVLT | Colossus Tapes

KNIFEFIGHT! haben es letztes Jahr vorgemacht und weil es so schön war, wird auch 2014 ein akustischer Act das Festival im Kaminsaal eröffnen. Wir freuen uns auf MEVRSAVLT, der ohne Führerschein, aber mit Gitarre schöne Lieder spielt.

Vortrag: Roger Behrens – Zeitlose Mode. Zum Punk
Was ist Punk? Gibt’s den noch, heute? Und wenn ja, warum? – Und noch zwei Fragen: »Was macht eigentlich Pussy Riot? Plant die letzte ernstzunehmende Punkband bereits ihren nächsten großen Auftritt?« Diese beiden Fragen stellt Michael Pilz, und er weiß auch Antworten: »Der Westen liebt Pussy Riot für ihre Politik, nicht für ihre Kunst. Dabei ist ihnen in Russland gelungen, woran die Sex Pistols in England gescheitert sind.« Michael Pilz ist Journalist. Er schreibt über Pussy Riot als ›Perfekte Punks‹ und berichtet ansonsten über »Pop in Kürze«, wie er seine Feuilleton-Kolumne in der Springerzeitung ›Die Welt‹ nennt; dort, genauer: fast ganzseitig in der Rubrik »Kultur« der ›Welt am Sonntag‹ erschien auch sein ›Nachruf auf die Letzten ihrer Art‹, eben seine zusammengekrickelte Expertise über Pussy Riot und Punk.

Punk ist in der Gesellschaft angekommen, von der er fliehen wollte, ja, die er ästhetisch wie historisch zu überwinden trachtete: Weil die Gesellschaft – zumindest in der Grundstruktur ihrer Möglichkeit und Wirklichkeit – im Niedergang des Globalen Kapitalismus ebenfalls dort wieder gelandet ist, wo sie ungefähr Anfang der 1970er Jahre im Zuge weltökonomischer Neoliberalisierung aufstieg. Schon damals, in seinen Anfängen, geriet der Punk zu einer Ideologie, die schließlich gut zu einer vermeintlich postmodernen Welt, die das Ende der Geschichte ausrief, als Haltung, ja als Lebensweise, ergo Lifestyle passte: eine zeitlose Mode, so wie der Jazz die zeitlose Mode für die Moderne war. Das konstatierte zumindest Theodor W. Adorno in seinem vielbeachteten wie auch viel verachteten Essay ›Über Jazz‹, veröffentlicht 1953.

Die frühen Fünfziger: das waren die Jahre, in denen in den Vereinigten Staaten die ersten Rock ’n’ Roll- und Soul-Platten erschienen und eine Mittelstandsjugend mit dieser Musik sich anschickte, kulturell auszurasten ebenso wie konsumgesellschaftlich einzurasten. In den nachfolgenden Jahren verdichtete sich das zum Pop, verfeinerte sich dynamisch in immer weiter ausdifferenzierten Teil-, Gegen-, Subkulturen. Der Punk war innerhalb des Pop eine erste Bewegung, die selbstreflexiv diese – d. i. ihre eigene – Dynamik durchbrechen wollte. Massenkulturell setzte der Punk fort, was Dada und Surrealisten im Handgemenge mit der Hochkultur versuchten. Und Punk scheiterte auch wie die Kunstavantgarden des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Martin Büsser beschrieb diesen Weg: ›Von Punk zu Hardcore und zurück‹; doch es scheint kein Zurück zu geben, die zeitlose Mode entfesselt den Punk von aller historischen Signifikanz. Hardcore bot dazu nur künstlerische Variationen. Die Ästhetisierung der Politik ist total. Und Punk ist womöglich nur einer der akzeptablen Soundtracks dazu (um sich irgendwie in dieser Welt einzurichten …).
http://www.rogerbehrens.net