Mo 01.09.: RAINMAKER // REASON TO CARE


Einlass: 21:00 Uhr
Beginn: 21:30 Uhr
Eintritt: 6-8 Euro

Emo, Screamo, Post-Hardcore, wo will man da überhaupt noch die Grenzen ziehen, wenn zeitgenössische Bands sich so souverän über so ziemlich jede Grenze hinwegsetzten. Bei den schwedischen, ja kosmopolitischen RAINMAKER, die sich auf Herkünfte aus aller Herren Länder berufen können und sich sowohl englischer und französischer Sprache (DAITRO !!!) bedienen, lässt sich das sogar noch auf eine ganz andere Ebene übertragen. Die Band zehrt jedenfalls nicht nur aus dem schmerzlichen Screamo, der in den Neunzigern dank Labels wie Ebullition Records das Licht der Welt erblickte, sondern auch aus dichtem Post-HC, der den Vergleich mit der internationalen Speerspitze angeführt von TOUCHÉ AMORÉ nicht scheuen muss. Das Konzert in Darmstadt ist Auftakt einer fast zweimonatigen Tour, die von Skandinavien, über die iberische Halbinsel, England den gesamten europäischen Kontinent umspannt. Begleitet werden RAINMAKER dabei von REASON TO CARE. Noch so ein Beweis, dass die deutsche Provinz (in diesem Fall Brandenburg) dank dem Drang aus dem Mief der Kleinstadt ausbrechen zu wollen, Brutstätte für spannende Bands ist.

Sa 09.08.: LOVE A // ANDALUCÍA


Einlass: 21:00 Uhr
Beginn: 21:30 Uhr
Eintritt: 7 Euro (VVK) / 8 Euro (AK)
VVK: Love A Shop

LOVE A – Poppers call it Punk, Punks call it Pop. LOVE A pendeln zwischen Punk, Indie und NDW, zwischen bissigem Zynismus, charmanten Melodien und emotionalen Hymnen, zwischen Rotz, Verbitterung und Herzlichkeit. LOVE A schaffen es die Leichtfüßigkeit des Pop mit der Reibung des Punk zu deckeln, schicke Gitarren drüberzulegen und damit irgendwie zwischen CAPTAIN PLANET, DACKELBLUT und TOCOTRONIC zu landen ohne sich auch nur im Ansatz bei einer diesen oder ähnlich gelagerten Bands musikalisch anzubiedern. Honoriert wurde diese Grätsche, die der Band sowohl mit dem Debut „Eigentlich“ und dem zweiten, ebenso nüchtern klingenden, Album „Irgendwie“ gelungen ist, mit wohlwollenden Rezensionen quer durch alle musikalischen Lager, abseits aller Fronten. Von Intro, über Visions bis Plastic Bomb, alle sind sich einig: Rücksichtslos ehrliche und schwermütige Texte („Hab‘ die Sehnsucht in Wodka ertränkt, damit sie mich endlich los lässt“) auf Papier zu bringen ohne den vorm endgültigen Wahnsinn rettenden Witz zu verlieren („ Herzlich willkommen auf der Hüpfburg der Dummen!“) und genügend Luft für verbale Ruppigkeit („There´s no escape from my neighborhood except for: Ich zünd sie an!“) zu besitzen, das hat es so großartig instrumentiert, lange nicht mehr gegeben. Die souveräne Wortakrobatik ruft die leider verblichenen TREND in Erinnerung und die tanzbare musikalische Blaupause lässt sich in bester „Damaged Goods“-Manier mit GANG OF FOUR entschlüsseln. Die bisher wärmsten Worte für das Noise-Duo ANDALUCÍA hat bisher Philipp Wulf (MESSER) verloren. Schwärmerisch sieht dieser das westfälische „Krachpop-Duo“ in der Tradition von DINOSAUR JR. und SONIC YOUTH, aber natürlich auch zeitgenössischen Aushängeschildern dieses spartanischen, aber dennoch erschreckend aufreibenden Sub-Genres des Rock zwischen Punk- und Indie-Ästhetik., wie NO AGE und JAPANDROIDS. Ein Juwel, melancholisch und euphorisierend zugleich ist das Debut „There Are Two Of Us“ dieser spannenden Band aus Münster.

Mi 23.07.: HOLY // TØRSÖ // WITHERS


Einlass: 21:00 Uhr
Beginn: 21:30 Uhr
Eintritt: 7-9 Euro

Beim Gedanken an die italienische Band HOLY dürften manchem noch die Ohren vom diesjährigen AYC-Festival klingeln. Ein astreiner Abriss war das! Düsterer D-Beat Hardcore, der 90er-Mosh (STRIFE) und atemlosen Powerviolence (INFEST) zusammenbringt. Endlich mal wieder eine Band, die dem kathartischen Element des Hardcore gerecht wird, ganz ohne dicke Backen, aber dafür mit gnadenloser „Humanity-Is-Evil“-Attitüde. Grund für den wiederholten Besuch der Mailänder ist die Tour der All-Star-Truppe TORSÖ, die sich den Schlagzeuger mit HOLY teilt und auch sonst ziemlich hochkarätig besetzt ist. Mit Stammpersonal von PUNCH, NEIGHBORHOOD BRATS und RITUAL CONTROL liest sich die TORSÖ-Besetzung wie das Who-Is-Who der aktuellen Bay-Area Punk und Hardcore Szene, dem bis heute relevanten Epizentrum des US-amerikanischen Hardcore. Weniger Lo-Fi-Schrammel-Punk sind WITHERS. Das was die Österreicher zusammenknüppeln kommt verdammt nah (und gut!) an chaotischen metallischen Hardcore im Geiste von Bands wie CAVE IN und CONVERGE ran. Die LP der Linzer kam u.a. auf Adagio830 und Per Koro (klar), eine Split 7“ mit MNMNTS kürzlich via Fear Of Heights.

Fr 27.06.: GOODTIME BOYS // FJØRT // WE HAD A DEAL // I RECOVER // PERFECT YOUTH


Einlass: 21:00 Uhr
Beginn: 21:30 Uhr
Eintritt: 7-9 Euro

Irgendwie schon verwunderlich, dass GOODTIME BOYS auf dem Bostoner Hardcore Label Bridge 9 gelandet sind, das mit den Walisern erstmals eine europäische Band unter Vertrag genommen hat. Finden sich im Roster des Labels neben SXE-Ikonen wie HAVE HEART und CHAMPION auch dickbackige Boller-Bands wie AGNOSTIC FRONT, ist es ist es wohl vor allem dem Erfolg von Bands wie DEFEATER anzurechnen, dass die erste Kapelle vom alten Kontinent im Roster auch noch so eine Emo-Core-Combo ist. Statt dicker Hose setzten GOODTIME BOYS auf Mid-Tempo Songs, die sich seit ihrer Gründung 2010 zum europäischen Ableger von Überfliegern wie LA DISPUTE und TOUCHÉ AMORÉ mauserten. Nach verschiedenen EPs und einer Split mit der Ausnahme-Band SELF DEFENSE FAMILY ist jetzt die erste LP der Briten erschienen. „Rain“ schwankt zwischen sanftmütigen Melodien, Spoken-Word ähnlichem Gesang und einer unterschwelligen Aggression, die sich in emotionsgeladene Stücke kanalisiert. Ähnlich könnte auch der melodische Hardcore der schwäbischen WE HAD A DEAL umschrieben werden. Deren Platte „Dialectics“ ist dank stechendem Screamo-Gesang (ORCHID, RAEIN, YAGE) und verdammt geschickten Songwriting, das alle Stücke in einen dramaturgischen Spannungsbogen rahmt, atmosphärisch und ergreifend. FJØRT sind gerade auf dem besten Weg the-next-big-thing zu werden. Im Frühjahr erschien ihr Debut “D’accord” auf This Charming Man Records, einem der spannendsten (neuen) Labels hierzulande (DIE NERVEN, KADAVER, MESSER, TIDAL SLEEP etc.). Im Vergleich mit ihren Labelkollegen sind FJØRT sicherlich die brachialste Band aus dem TCM-Dunstkreis. “D’accord” ist ein wuchtiges Album. Hardcore mit Wurzeln in einer Szene, die sich als Gegenkultur versteht und ganz ohne pathetischen Kitsch zutiefst emotional klingt. Das muss man mit deutschen Texten erst mal schaffen. Ähnlich geschickt schafften es außer TURBOSTAAT nur wenige Bands Wut ähnlich dringlich in ihrer Muttersprache in Worte zu fassen. I RECOVER sind eine neue HC-Secret-Supergroup mit Menschen von PUNCH, BLANK und KUMULUS. Hinter PERFECT YOUTH verbirgt sich der MNMNTS-Sänger auf Solopfaden. Der Singer-Songwriter spielt ein Akustik-Set im Kaminsaal.







Do.. 12.06.: TURBOSTAAT // FLO UND PAUL UND FLO


Einlass: 20:00 Uhr
Beginn: 21:00 Uhr
Eintritt: VVK:13 Euro / AK: 15 Euro
VVK: Turbostaat Shop

Dass Punk in Deutschland mehr kann als nur Bierdosen-Stiefel-Sauf-Fun-Gröl-Musik zu sein, ist in erster Linie Jens Rachut anzurechnen. Ende der 90er, kurz bevor oder realitv zeitgleich mit der Gründung von OMA HANS, bewegte Rachuts herbe Strahlkraft die Landeier von TURBOSTAAT zur Gründung einer Band. Dass 15 Jahre später diese Band ihr Beruf sein sollte, ahnte damals wohl noch niemand. So oft wie keine andere Band werden TURBOSTAAT seitdem im deutschsprachigen Raum als Referenz herangezogen, die Band selbst in Kontext zu setzten, erscheint dabei fast überflüssig. Mit „Flamingo“ und „Schwan“ öffneten TURBOSTAAT einer Generation die Türen zum Punk, lieferten Identifikation und Zuflucht. Melancholiche Texte, kryptisch und geheimnisvoll, aber dennoch so greifbar, dass sich bis heute unzählige Zeilen unter die Haut jagen lassen. Dass schöne an der ganzen Sache ist, dass TURBOSTAAT noch immer mit großartigen Melodien gegen Missstände, Deutschtümelei und Ängste ansingen und wohl noch heute mit neuen Platten wie „Island Manöver“ und „Stadt der Angst“ für Menschen, die vielleicht genauso alt sind wie die Band eine Relevanz entwickeln, die TURBOSTAAT vor zehn Jahren für andere hatten.

Turbostaat – Tut es doch weh from Clouds Hill on Vimeo.

Do 22.05. BIRDS IN ROW / SNAKES & LIONS


Einlass: 21:00 Uhr
Beginn: 21:30 Uhr
Eintritt: 6-8 Euro

Auf ihrer Tour mit Tour mit TOUCHÉ AMORÉ machen unsere langjährigen Freunde von BIRDS IN ROW einen Abstecher nach Darmstadt um eine Show im Gemäuer der Oetinger Villa zu spielen. Spätestens seit ihrer LP “You Me & The Violence” auf Deathwish Records sind BIRDS IN ROW in aller Munde. An Intensität und Wucht ist das französische Trio weiterhin unerreicht. Vorneweg spielen noch die Mainzer Buben SNAKES & LIONS, die gerade ihre allererste LP “Among Falling Stars And Rising Tides” veröffentlichten. Emotionaler Hardcore mit Screamo-Vibe.



Fr. 16.05.: SOLIDS / THE REPTILIAN / LOCKTENDER

Einlass: 21:00 Uhr
Beginn: 21:30 Uhr

Der Vergleich mit dem Post-Punk Duo NO AGE, die mit ihrer grandiosen Platte „An Object“ (Sub Pop) im letzten Jahr große Welle machten, drängt sich bei SOLIDS fast schon penetrant auf, handelt es sich bei der kanadischen Band auch nur um eine Zwei-Mann-Rumpel-Combo. „Blame Confusion“ heißt ihr Album, das nach mehreren DIY-Platten auf Fat Possum Records erschienen ist. Ein ziemlich fettes Label, dessen Rooster sich mit BAND OF HORSES, JAGUAR LOVE, Adam Green, DINOSAUR JR. und unzähligen anderen Kapellen wie ein Who-Is-Who des Indie-Rock liest. Jay Mascics und Co. können übrigens auch als herrliche Referenz für den leicht noisigen, dezent scheppernden, aber doch sehr geschmeidigen Sound, den SOLIDS aus ihrem reduzierten Arrangement locken, herangezogen werden. Träumerisch und zugleich ruppig, schrof und irgendwie flauschig, am besten bringt es aber wohl das englische Adjektiv „fuzzy“ auf den Punkt. Es ist wirklich ein großartiger Schmelztigel aus JAPANDROIDS, SONIC YOUTH und so ziemlich allem was seit den 80ern unter dem Banner von Post-Punk, Rock und Noise Aufsehen erregte, den Xavier Germain Poitras und Louis Guillemette mit „Blame Confusion“ auf Band verewigten. In Darmstadt auch noch mit dabei: THE REPITLIAN und LOCKTENDER. Zwei Bands aus den Staaten, die noch fest im Underground verwurzelt sind und gemeinsam den alten Kontinent unsicher machen. THE REPTILIAN spielen schön schrammeligen Post-Punk mit Indie/Emo Kante und sind beim Szene-Label Count Your Lucky Stars zu Hause. LOCKTENDER wummern brachialer. Weitläufiger, dynamischer (Post-)Hardcore im Geiste von ENVY. Nur nicht aus Japan, sondern aus Ohio.





Mi 23.04.: CAVES // ROLLERGIRLS // SLEEP KIT

Einlass: 20:00 Uhr
Beginn: 20:30 Uhr
Eintritt: 6-8 Euro

Zurück aus dem Winterschlaf! Als Ende letzten Jahres endlich (!) ihr Album „Satisfied With Less“ erschienen ist, war das Emo-Pop-Punk Trio aus Darmstadt erstmal – wie es sich gehört – auf Achse. Die abgestumpften Hörner mussten dann erstmal wieder gepflegt werden, ein paar neue Songs geschrieben und dass einer der ROLLERGIRLS noch mit so einer verrückt großen, man mag es kaum glauben, noch erfolgreicheren Band unterwegs ist, die Musik für junge und alte Hippies macht, dürfte ja mittlerweile auch bekannt sein. Mit dem Frühling im Rücken geht es jetzt für die quirligen Knaben und ihrem catchy 90er Emo nach vier Monaten endlich wieder auf die Bühne – tja Warten und ROLLERGIRLS, das lässt sich wohl nicht trennen – und zwar als Side-Kicks der britischen Band CAVES, die dem Rock’n’Roll Gesetzt folgend um ihrem Status als „Headliner“ gerecht zu werden, eigentlich hier an prominenter Stelle hätten beschrieben werden müssen. Aber ja, CAVES! Auch ein Trio, das aber statt über dem Darmbach den Ärmelkanal schippert. CAVES klingen ganz und gar nicht betrübt britisch, wirbeln mit ihrem harmonischen Punkrock, der von Melodien, Sing-Alongs und ganz vielen „Oooohhhooos“ und „Whooooooohooos“ durchzogen ist, durch die Gegend. Das klingt rotzig, aber auch putzig. Rumpelt ein wenig Garage-mäßig und ist dabei zum Fäuste-in-die-Luft-recken energisch. Woha!

Caves
Rollergirls
Sleep Kit

Di 15.04.: THE WORLD IS A BEAUTIFUL PLACE & I AM NO LONGER AFRAID TO DIE // EMPIRE! EMPIRE! (I WAS A LONELY ESTATE) // RAINMAKER

Einlass: 20:00 Uhr
Beginn: 20:30 Uhr
Eintritt: 8 Euro

Ja, der Bandname ist wirklich so lang. Imposanter ist nur noch die Musik der Band aus Connecticut. In ihrem Heimatland landete die nerdige Band mit ihrem Album „Whenever, If Ever“ in den Billboard Charts. Nicht schlecht für eine Band, deren Wurzeln in Punk und Emo zu finden sind. Den Bezug zu Bands wie SUNNY DAY REAL ESTATE drängt vor allem der klassisch schwermütige und ergreifende Gesang auf. Mit einer imposanten Instrumentierung geht die achtköpfige Band, die nicht nur vier Gitarren, mehrere Synthesizer und ein Piano, sondern auch Streicher und Blasinstrumente vereint, aber darüber hinaus. TWIABP sind eine Rockband, für die auch PORTUGAL THE MAN als Referenz herangezogen werden kann. So leben die Songs nicht nur von der emotionalen Intensität des mehrstimmigen Gesangs, sondern auch von Melodien, die MODEST MOUSE entzücken würden und aufbrausenden Post-Rock Momenten à la EXPLOSIONS IN THE SKY. Tourkollegen sind EMPIRE! EMPIRE (I WAS A LONELY ESTATE), ein nicht weniger langer Bandname. Als Duo aber zumindest in der Besetzung in weit reduzierter Form unterwegs. EMPIRE! EMPIRE! Spielen entzückenden Indie-Pop mit – ja wer hätte es gedacht – träumerischem Emo-Einschlag. Kein Wunder, stecken hinter der Band die Köpfe des Labels Count Your Lucky Stars, dessen Veröffentlichung Wegweisend für die aktuelle Emo-Indie-Rock Welle ist, die aus den USA rüber schwappt.

The World Is A Beautiful Place…
Empire! Empire! (I Was A Lonely Estate)
Rainmaker

Sa 29.03.: Angeschimmelt Youth Crew Festival 2014

Einlass: 14:00 Uhr
Beginn: 15:00 Uhr (Vortrag) / 17:00 (Bands)
Ausverkauft

Ja, es jährt sich mal wieder. Acht Bands, die von Screamo und Hardcore bis zu Emo und Metal-lastigem so ziemlich alles abdecken, dass wir im Laufe eines Jahres über die Bühne jagen und ein Vortrag des Kulturwissenschaftlers Roger Behrens zum Thema „Zeitlose Mode. Zum Punk“ führten dazu, dass das Kartenkontigent für das Angeschimmelt Youth Crew Festival 2014 schneller erschöpft war, als wir überhaupt Tickets drucken konnten. Irre. Wir freuen uns tierisch und eigentlich weiß ich gar nicht was ich hier noch schreiben soll. Mehr (substanzielle) Infos zum Festival gibt es hier.